Sonntag, 13. November 2011

So gucken

Guck doch nicht so! Ich weiß nicht, wie oft ich diesen Satz schon gehört habe.Vor Jahren, Monaten, Tagen. Und seit die bei Lidl an der Kasse alle so wahnsinnig gut gelaunt sind, dass sie wahrscheinlich sogar die Überwachungskameras überstrahlen, fällt mir dieser Satz, den ich so oft gehört habe, besonders wieder ein. Die Frage, was „so“ bedeutet und warum man „so“ nicht gucken darf, ist immer noch offen und läuft, fürchte ich, auf das Gesicht als solches hinaus, das „so“ nicht sein darf. Da hilft keine Schminke, kein Make Up und auch kein Lippenstift. Das Gesicht, ob angemalt oder nicht, bleibt, wie es ist: so. Eine Maske wäre vielleicht eine Alternative, die man überdenken sollte. Einfach, damit der Spruch aufhört. Eine Maske muss her! Aber was für eine? Auf keinen Fall so eine wie es sie bei Lidl an der Kasse gibt. Wenn schon Maske, dann eine echte. Eine Strumpfmaske fänd ich schick. Vielleicht auch eine venezianische Schnabelmaske. Oder eine Gurken-. Letzteres dürfte aber schwierig werden, da die Gurken in der Senkrechten wahrscheinlich runterrutschen. Wegen der Gravitation. Und wie guckt man dann erst! In aller Öffentlichkeit die Gurkenscheiben vom Gesicht zu verlieren ist bestimmt keine Kleinigkeit, die man mal eben so wegsteckt. Sowas bleibt hängen. Sowas hat Folgen. Sowas fluppt auch Jahrzehnte später noch in Träumen hoch, verwandelt und vermischt sich, hüpft in andere Landschaften, und ehe man sich’s versieht, haben die Gurkenscheiben Zeiger und Ziffern und hängen über kahlen Ästen und fließen von Kanten, und man wacht auf und guckt schon wieder so. Also Gurkenmaske fällt weg. Was dann?