Samstag, 28. Juni 2008

Traumdeutung, heillos überfordert


Was ist der Traum?
Was weiß der Traum?
Was will der Traum?
Was nützt der Traum?
Warum ist der Traum?
Wo ist der Traum jetzt?
Was wird der Traum?

Dienstag, 24. Juni 2008

Der Lapsus

"Da ist uns ein Lapsus passiert", sagt der Sprecher der Firma HSH, die Verwaltungssoftware herstellt. Was ist passiert? - Im Rahmen eines Tests wurde aus Versehen der geheime Zugangscode zu einer Datenbank im Internet veröffentlicht, so dass die Meldedaten von 15 deutschen Kommunen monatelang im Internet offen lagen.

Uuups!

HSH sagt, im so genannten "Informationsregister" seien 425 deutsche Kommunen verzeichnet. 15 davon hätten einen voreingestellten Benutzerzugang nicht wie vorgesehen geändert. Diesen Zugang habe man zu Demonstrationszwecken für eine Internet-Gewerberegisterauskunft genutzt. Bei einer Mausbewegung über den Link sei dann der Zugangscode für die Melderegister zu sehen gewesen.

Holla! Eine Mausbewegung und schon ist alles, was eigentlich streng geheim ist - kawumm! - frei und allgemein zugänglich. Man kann mal wieder nur froh sein, dass es lediglich um Meldedaten ging...

Freitag, 6. Juni 2008

Unwort des Jahres


Integration. INTEGRATION. I-N-T-E-G-R-A-T-I-O-N. Ich weiß nicht, wie es dem Rest der Welt geht, wenn er dieses Wort hört: Mir jedenfalls vergeht so ziemlich alles, um nicht zu sagen: jegliche Lebenslust. Wobei auch "Lebenslust" ein Wort ist, das die Nicht-Existenz dessen, was es bezeichnen soll, schon in sich trägt. Darin liegt die Tragik solcher Begriffe: Sie haben beste ABSICHTEN, können diese aber nicht transportieren, d.h.: finden nicht die passende FORM. Deswegen schlüpfen sie in die nächst schlechteste (im "Integration"-Falle eben in die Theoretisierungsproblematisierungsschlaumeierisierungsblabla-Form), ohne zu merken, dass sie auf die Weise das, was sie vertreten wollen (lustig-buntes Zusammenleben von Menschen verschiedenster Herkunft, Einkommensklassen, Bildungsniveaus, Gesundheitszustände, sexueller Vorlieben, Rasterfahndungsraster), KAPUTT machen.
Deswegen meine Frage ins All:
Wie soll man denn um Himmels Willen statt "Integration" sagen? Gar nicht sagen, einfach machen, wäre wohl die beste Alternative. Aber wenn man nun mal ZUM SCHREIBEN VERDAMMT ist?

Mittwoch, 16. April 2008

Perle im Netz

Hossa! Eine neue Perle ist gestern ins Netz gegangen: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat DFG Science TV ins Leben gerufen, eine Internetseite voller kleiner Filmchen von spannenden laufenden Forschungsprojekten (natürlich nur solchen, die von der DFG gefördert werden).
Das Besondere daran: Die Filme haben die Forscher selbst hergestellt! Also kein Guido Knopp, der ihre Erkenntnisse weichspült und mit Wagner unterlegt, damit es den begnadet spät Geborenen auch ja schön gruselt und er sich nicht von Opa der Gefühllosigkeit bezichtigen lassen muss, wenn er zu KZ-Bildern in die Chipstüte greift. Und kein Joachim Bublath, der das Zündeln und Rumballern nicht lassen kann und bei dem immer alles explodiert, ausgerechnet dann, wenn es am spannendsten wird.
Nein, die Forscher haben selbst zur Kamera gegriffen, Storyboards entwickelt und gecuttet, und damit das überhaupt möglich war, haben sie vorher einen einwöchigen Film-Workshop besucht!
Bisher sind zehn Forschungsprojekte vertreten, darunter so schillernde wie "Natur und Technik intelligenter Laufsysteme" oder "Sinking Coasts". Immer wieder dienstags kann man sich angucken, wie die Forscher vorankommen, welche neuen Entdeckungen sie gemacht und mit welchen Schwierigkeiten sie zu kämpfen haben. Erstmal drei Monate lang, vielleicht auch länger. Je nachdem, wie gut das Angebot www.dfg-science-tv.de von den Usern angenommen wird.

Montag, 14. April 2008

Jawoll Jasmin

Seit gestern weiß ich die weltweit beste Alternative zum Tatort-Gucken: am Landwehrkanal unter einem Kioskdach sitzen, zwischen Geschichten von Schweine-Eimern und Papierflocken-Blasen Fußballergebnisse in den nachlassenden Nieselregen sprechen, zugucken, wie die Schiffe sich bettfertig machen, blöde Kunst von nicht-blöder unterscheiden, Pläne schmieden, solange sie noch heiß sind, und andere, wenn die eben geschmiedeten sich in Luft auflösen, in dieselbe vielleicht, die gerade immer blauer wird und nach Diesel und Jasmin riecht, jawoll: Jasmin!

Donnerstag, 10. April 2008

Die Frage

„Ich muss dich mal was fragen“, sagt B und bleibt plötzlich stehen. Der Strom an Sonnenbrillen, Kampfsportkinderwagen und Rassehunden zieht an uns vorbei, ein bisschen langsamer jetzt. Ich sehe einen blonden Stachelkopf, der an Frau und Kinderwagen vorbei einer Langbeinigen in Röhrenjeans hinterher stiert. Ich habe Lust, ihn zu fragen, warum er damit wartet, bis der Kopf seiner Frau im Kinderwagen verschwunden ist. Warum er Frau&Kind nicht gleich zu Hause lässt, der ganze Englische Garten stünde zum freien Gaffen zur Verfügung. Aber das würde Diskussion bedeuten, womöglich gar Sex- oder Sportschauentzug - den Stress ist der kurze Kick dann doch nicht wert.
„Was denn?“, frage ich.
„Wie machst DU das denn: Wie verhältst du dich in einer Runde von sagen wir mal Arbeitskollegen, also Leuten, mit denen du langfristig auskommen musst, mit denen du dir im Grunde aber nichts, also wirklich gar nichts zu sagen hast, die du im Gegenteil abstoßend findest, weil sie den ganzen Tag nur heiße Luft blubbern, das aber vor Selbstbewusstsein strotzend und in einer Lautstärke, dass man es eine Etage drüber noch hört...“
„... wo der Chef sitzt...“
„... und sich über seine MOTIVIERTEN Mitarbeiter freut...“
„... und gleich die nächste Prämie festlegt...“
„... für besonderes Engagement im Phon-Bereich...“
„... Minimaler Gehalt bei maximaler Lautstärke!"
Wir laufen weiter. Ich überlege. Erzähle von K, der für solche Fälle eine besondere Technik entwickelt hat: Er macht einfach mit, redet NOCH lauter und NOCH dümmer daher, verwandelt die Prämienprofi-Runde in eine Stand-Up-Comedy. Das Traurige daran ist allerdings, dass keiner außer ihm die Verwandlung bemerkt, im Gegenteil: Sie finden, dass er mit seiner Argumentation Recht hat, entwickeln die Idee weiter, übertreffen sich gegenseitig, schrauben sich lautstark in immer schwindelndere Höhen, beflügelt von neuem Spirit, schon sieht man sich über Leichen steigen, einander auf die Schulter klopfend, sind eben wahre Teufelskerle! Einer für alle, alle für einen, alle für den Erfolg! Ist der Teamgeist erstmal aus der Flasche, verlieren Raum und Zeit ihre Ordnungsfunktion, alles scheint auf einmal möglich, alles IST möglich, man darf nur nicht zimperlich sein. Ein einziger Einwurf, ein winziger Zweifel wäre die Nadel im Luftballon, und weil das jeder weiß, machen alle weiter...“
„... Und K?“
„Ist längst über alle Berge.“
„Klar. Lange hält man es als ehrenamtlicher Narr an einem Ort nicht aus.“
„Zumal, wenn keiner lacht. Außer ihm.“
„Weil den Heiße-Luft-Blubberern der Sinn fürs Lächerliche abhanden gekommen ist.“
„Oder weil sie ihn nie hatten.“
"Oder weil sie Angst haben."
"Vor der Leere nach dem Blub."
„Aber wenn man nun mal auf Gedeih und Verderb mit diesen Menschen auskommen muss. Weil man mit ihnen den Arbeitsplatz teilt.“
„Die Alternative wäre Ohropax.“
„Ich soll mir in den Konferenzen Ohropax in die Ohren stopfen?“
„Warum nicht?“
„Und wenn doch mal was Sinnvolles gesagt wird? Ganz leise?“
„Wenn das in sechs Jahren nicht vorgekommen ist, wird das auch in den nächsten zwölf nicht passieren.“
„Oder ich suche mir einen neuen Job.“
„Als Hofnarr.“
„Als Dompteuse.“
„Glasbläser.“
„Zuckerwattendreherin.“
Wir sind am Chinesischen Turm angekommen. China, denke ich. „China ist der Markt der Zukunft.“ Diesen Satz sprach neulich ein amerikanischer Geschäftsmann in einer Arte-Reportage in die Kamera. Darum schickt er seinen Sohn in einen chinesischen Kindergarten. Schnitt. Man sieht eine Gruppe Drei- bis Fünfjähriger vor bunten Tafeln mit chinesischen Schriftzeichen, die im Chor nachsprechen, was eine junge Chinesin ihnen vorsagt. Man kann mit der Karriereplanung nicht früh genug anfangen. Und wenn die kleinen Töchterchen und Söhnchen groß sind, blubbern sie wenigstens auf Chinesisch. Von wegen Ohropax...

Mittwoch, 12. März 2008

Be Berlin!

Be Berlin! heißt der neue offizielle Hauptstadtslogan. Unter dieser Kampagne wirbt die Hauptstadt für sich selbst.

- Sei Berlin!
- Aber ich bin doch schon Deutschland!
- Umso besser!
- ?
- Du zoomst dich heran! Vom Großen zum Kleinen, vom Allgemeinen zum Speziellen. "Deduktive Identifikation" nennt man das. Kurz: "DedId".
- Und wenn ich Iran bin? Kann ich dann Berlin sein, obwohl ich nicht Deutschland bin?
- Kommt drauf an.
- Worauf?
- Auf dein Integrationspotenzial, kurz: Inpot.
- Und bei hohem Inpot kann ich Berlin sein, obwohl ich eigentlich Iran bin?
- Nein, dann bist du ja eben NICHT mehr Iran...
- ... sondern Deutschland? Also führt der Weg zum Berlin-Sein doch übers Deutschland-Sein?
- Nein, es geht nicht um Staatsangehörigkeit oder Herkunft, sondern allein um die INNERE NATIONALITÄT.
- Kurz Innat?
- Wenn du dich über mich lustig machen willst...!
- ... dann bin ich Berlin?
- Korea! NORDkorea!
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